Blähungen – Ursachen

  1. Übersicht:
  2. » Blähungen durch ungesunde Ernährung
  3. » Blähungen durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  4. » Blähungen durch Medikamente
  5. » Blähungen durch Darmerkrankungen
  6. » Blähungen durch Stress oder Angst

Blähungen können viele Ursachen haben, die aber in einer Vielzahl der Fälle keinen echten Krankheitswert haben oder gut behandelbar sind.

Blähungen sind in der Regel ein Symptom für eine Unausgewogenheit im Körper und müssen nicht unbedingt einen Hinweis auf gravierendere Erkrankungen geben.

Aerophagie als harmlose Ursache für Blähungen
Die häufigste Ursache für vermehrte Blähungen ist aber völlig harmlos und nennt sich Aerophagie. Aerophagie bezeichnet den Vorgang des Luftschluckens, wie es bei schnellem Essen und Trinken eintreten kann. Die blähende Luft besteht dann größtenteils aus Sauerstoff – aber auch dieser muss den Körper wieder verlassen. Und dabei sorgt er für Blähungen.

Blähungen durch ungesunde Ernährung

Kaffee

Tauchen Blähungen verstärkt auf, das heißt, muss ein Patient mehr als 40 mal täglich flatulieren, kann ein Blick auf die Ernährung erste Hinweise auf die Ursache geben. Denn oftmals steckt hinter verstärkter Blähneigung eine dem menschlichen Organismus nicht ideal angepasste Ernährung, die aber in der Regel gut verändert werden kann.

Zu viel Kaffee?

Eine der am einfachsten einzudämmenden Ursachen für Flatulenz in Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme ist das Kaffeetrinken. Zwar wirkt der Kaffee nicht direkt gasproduzierend, er erhöht aber die Darmbewegung (Peristaltik), indem er auf das vegetative Nervensystem (siehe auch Blähungen durch Stress oder Angst) Einfluss nimmt. Hierdurch wirkt er abführend und erhöht dadurch den Anteil an Blähgas.

Zucker – zu viel bläht

Auch Zucker kann im weitesten Sinne zu Blähungen führen. Unser Darm ist darauf ausgelegt, die Nahrung zu verarbeiten, zu zerlegen, Bestandteile herauszulösen. Viele Nahrungsmittel sind aber industriell so aufbereitet, dass es für den Verdauungsapparat nur noch wenig zu tun gibt. Die Kohlenhydrate, also zuckerhaltige Bestandteile, sind beispielsweise in raffiniertem Mehl bereits zerlegt. Vollkornmehl bietet dem Darm hingegen die Möglichkeit, richtig zu arbeiten. Hinzu kommt, dass Zucker und Weißmehl eine nahrhafte Grundlage für Bakterien und Pilze bilden – diese wiederum sind ursächlich für Gärprozesse und Faulgase. Der Darm wird ohne Arbeit noch dazu träge, es können sich sogar Ausbuchtungen, sogenannte Divertikel, bilden, in denen der Nahrungsbrei fest hängt, und es gärt vermehrt.

Ballaststoffe und langkettige „Zucker“

Versucht man, dieser Erscheinung durch ballaststoffreiche Kost entgegen zu wirken, kommt es nicht selten erst einmal zum gegenteiligen Effekt: überfordert durch die anfänglich ungewohnten Ballaststoffe, gärt es beim Zelluloseabbau und es bläht ebenfalls. Hat man aber diese anfängliche Phase überwunden, findet der Darm mehr und mehr ins Gleichgewicht zurück und die Blähungen legen sich. Mehr Informationen hierzu unter Blähungen und Ernährung.

Zuckeraustauschstoffe – nicht viel besser bei Blähungen

Auch Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit, Mannit und Isomalt können Blähungen verursachen. Dies liegt daran, dass sie anders abgebaut werden als Zucker. Sie werden langsamer ins Blut aufgenommen und gelangen deswegen in Darmabschnitte, die eigentlich eine andere Funktion haben. Dort, im unteren Dünndarmbereich, verbinden sie sich mit Wasser, vergrößern das Darmvolumen und regen die Darmbewegungen an. In den Dickdarm geschoben, gären sie dort: Blähungen entstehen.

Candida albicans – der Hefepilz im Darm

Durch Zucker gefüttert, vermehrt sich im Darm auch der Hefepilz Candida albicans (Nähere Informationen unter Blähungen durch Krankheiten), von dem in der Mehrzahl Frauen betroffen sind. Einmal aus dem Gleichgewicht geraten, bietet der menschliche Darm dem Pilz einen idealen Lebensraum. Eine Begleiterscheinung der immunschwächenden Pilzerkrankung sind Blähungen, Durchfälle und Bauchschmerzen, gelegentliches Afterjucken und eine Verschlechterung des Hautbildes. Kopfschmerzen und ähnliche unspezifische Symptome können ebenfalls damit einhergehen.

Fette als Ursache für Blähungen

Auch zu viel Fett kann, wenn ein Ungleichgewicht im Körper besteht, zu Blähungen führen. Ursächlich ist in diesem Fall die Leber und die in ihr zu wenig produzierte Gallenflüssigkeit, die wir für den Fettabbau im Zwölffingerdarm benötigen. Stellt der Körper zu wenig Galle her und werden gleichzeitig zu viele Fette aufgenommen, gelangen diese unverarbeitet in den weiteren Verdauungstrakt. Große Fetttropfen gelangen in den Dickdarm, wo sie den Fäulnisbakterien als Nahrung dienen.

Eine andere Ursache für mangelnde Fettabsorption kann auch eine Bauchspeicheldrüsenschwäche sein. Zu beiden mutmaßlichen Ursachen bedarf es der ärztlichen Abklärung. Besteht der Zustand der mangelhaften Fettverarbeitung chronisch oder hängt mit einer Lebererkrankung zusammen, spricht man von Fettmalabsorption, das heißt, dass der Körper Fette nur schlecht verarbeiten kann.

Blähungen durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Beschwerden bei Laktoseintoleranz

Eine andere Ursache für Blähungen können unentdeckte Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein, denen dasselbe Prinzip zugrunde liegt wie den meisten anderen Ursachen: Nahrung kann nicht angemessen verwertet werden oder wandert in dafür nicht ausgelegte Abschnitte des Darms, meist des Dickdarms, und gärt dort.

Laktoseintoleranz – wenn Milch bläht

Milchzucker, die Laktose, die vorwiegend in Kuhmilch enthalten ist, beinhaltet zwei Zuckertypen als Teilkomponenten: Galaktose und Glukose. Im Verdauungsprozess wird die Laktose mittels des Enzyms Laktase so aufgespalten, dass beide Zuckerarten für den Organismus verwertbar sind. Fehlt die Laktase, gärt der unverarbeitete Milchzucker – Blähungen und Durchfälle entstehen.
Abhilfe bieten Laktase-Ergänzungspräparate, die zum Essen eingenommen werden können, oder laktosefreie Produkte, sprich ein Verzicht auf Laktose.
Weitere Informationen hierzu unter Behandlung & Selbsthilfe.

Wenn Obst nicht gesund macht: die Fruktoseunverträglichkeit

Auch Fruktose, der Fruchtzucker, kann dem Darm Schwierigkeiten bereiten. Kommt es zu einer sogenannten Fruktosemalabsorption, wird der Fruchtzucker im Darm nicht richtig verarbeitet und gärt. Die Begleiterscheinung ist wässriger, säuerlich riechender Stuhlgang und ein Abgang von säuerlich riechenden Gasen.

Getreide als Ursache für Blähungen

Auch eine Glutenunverträglichkeit, eine sogenannte Zöliakie oder Sprue oder eine erhöhte Glutenempfindlichkeit können ursächlich für Blähungen sein.
Gluten ist ein Name für das sogenannte Klebereiweiß in Getreide. Die Dünndarmschleimhaut reagiert auf dieses Klebereiweiß mit Entzündungen, wodurch die Nahrungsabsorption und die Nährstoffresorption gestört werden. Mit der Unverträglichkeit, die in der Regel erblich und nicht behandelbar ist, gehen verstärkte Blähungen als Begleitsymptom einher. Die Zöliakie manifestiert sich in der Regel entweder in der frühen Kinderzeit oder im vierten Lebensjahrzehnt im Erwachsenenalter.
Besonderes Augenmerk sollten Eltern deswegen auf Blähungen im frühen Kindesalter lenken, wenn sie mit Beginn der ersten Getreidebreie einsetzen und von Gedeihstörungen begleitet werden.

Hühnereiweiß

Eine der tückischsten Unverträglichkeiten, die der Mensch entwickeln kann, ist wohl die auf Hühnereiweiß. Die Symptome – Blähungen, Durchfall, teilweise Kopfschmerzen und vor allem Hautreaktionen – ähneln denen der Laktoseunverträglichkeit. Allerdings „versteckt“ sich Hühnereiweiß in sehr viel mehr Fertigprodukten als Laktose.

Blähungen durch Medikamente

Lässt sich als Ursache für vermehrte Blähungen keiner der bereits genannten Faktoren ausmachen, lohnt sich möglicherweise ein Blick auf die Beipackzettel der aktuell verordneten Medikamente. Denn auch manche medizinische Präparate können als Nebenwirkung Blähungen mit sich bringen.
So wirken beispielsweise viele Antibiotika auch auf die Darmflora ein und zerstören sie partiell. Blähungen als Nebenwirkung können zudem mit bestimmten Antidepressiva, die auf das zentrale Nervensystem einwirken, einhergehen. Auch verursachen einige Diabetesmedikamente durch ihre Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse Blähungen.

Blähungen durch Darmerkrankungen

Auch unentdeckte oder bestehende Darmerkrankungen können Blähungen als Begleiterscheinung mit sich bringen.
Eine der häufigsten ist ein Pilzbefall mit Candida albicans, dem oben bereits genannten Hefepilz, der sich im Mundbereich und Verdauungstrakt des Menschen ansiedelt und dort unter bestimmten Bedingungen aktiv wird. Diese sind, neben einem geschwächten Immunsystem durch Krankheit oder Stress, eine erhöhte Zuckerzufuhr, die den Pilz gewissermaßen füttert. Als Abfallprodukt entstehen dann Darmgase. Blähungen können insofern ein Hinweis darauf sein, dass eine Erkrankung vorliegt, deren Folgen sich in Magen-Darmbeschwerden, Hautproblemen und allgemeiner Schwächung des Körpers zeigen.

Morbus Crohn – der Darm im Kampf gegen sich selbst

Eine der im Lebensverlauf auftretenden Autoimmunerkrankungen, die Blähungen mit sich bringt, ist Morbus Crohn. Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung des gesamten Verdauungsapparates. Kennzeichnend für die Erkrankung ist, dass eigentlich für die Verdauung notwendige Darmbakterien das Darmgewebe befallen und so Entzündungen hervorrufen, die die Nährstoffaufnahme und die Darmtätigkeit stören. Mit der Krankheit geht dann eine sogenannte Malabsorption einher, die verminderte Aufnahme von bereits vorverdauten Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand.

Colitis ulcerosa

Ebenfalls ursächlich für eine vermehrte Darmgasbildung kann die sogenannte Colitis ulcerosa sein, gleichfalls eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die sich aber auf Dickdarm und Mastdarm beschränkt.
Auch bei dieser Erkrankung kommt es zu Fehlaufnahme und Fehlverarbeitung von Nahrungsbestandteilen, wobei für die vermehrte Gasbildung eine Störung in der Zuckerverarbeitung ursächlich ist.

Andere Organe mit Auswirkung auf den Darm

Liegt ein Leberschaden vor, zeigt sich dies in der Regel nicht durch Schmerzen im Bauchraum, sondern durch andere, typische Symptome wie gelb-grauen Stuhl, Fettstühle, Kopfschmerzen und Meteorismus, sprich Blähbauch mit entsprechenden Gasen.
Da die Leber eines der wichtigsten Entgiftungsorgane ist, zeigt sich eine schlechte Entgiftung in der vermehrten Produktion von Verdauungsabfällen, zu denen auch die Darmwinde gehören.

Auch, wenn die Bauchspeicheldrüse geschwächt ist, kann sich dies in Blähungen zeigen, da sie mit für die enzymatische Zerlegung der aufgenommenen Zucker verantwortlich ist. Werden die Zucker im Körper nicht mehr richtig resorbiert, entstehen ebenfalls Faulgase.

Blähungen durch Stress oder Angst

Außer den genannten Ursachen kommen auch psychische Belastungssituationen, Stress und das sogenannte Reizdarmsyndrom als Auslöser für Blähungen infrage.
Die Psyche ist eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden, welches für einen reibungslosen Ablauf des Verdauungsprozesses sorgt. Wenn der Körper zur Ruhe kommt, setzt die Arbeit des Parasympathikus ein. Dieser ist der sogenannte „Ruhenerv“, der den Blutdruck reguliert, die Verdauungsprozesse anstößt und der in Verbindung mit dem sogenannten „enterischen Nervensystem“ steht, das den gesamten Verdauungsprozess steuert. Gerät nun dieses sensible Zusammenspiel durch unbewusst wirkende Störungen oder Stress aus dem Lot, ist die Verdauung beeinträchtigt.
Hinzu kommen Faktoren wie die Verkrampfung des unteren Muskelgewebes im Magen-Darm-Bereich, das rein physikalisch auf den Darm und seine Beweglichkeit einwirkt.

Das Reizdarmsyndrom – ein „nervöser Darm“

Eine langfristige Folge der gestörten (Darmbeweglichkeit) kann das sogenannte „Reizdarmsyndrom“ sein. Hierbei handelt es sich um eine psychovegetative Störung. Sie resultiert aus einer schlechten Stress- oder Angstverarbeitung, die ihren Ausdruck in gestörter Darmtätigkeit findet. Neben diätetischen Maßnahmen, die die Verdauung erleichtern sollen, werden zusätzlich Psychotherapien angeraten. Zudem werden krampflösende Medikamente, sogenannte Spasmolytika, empfohlen, die den Symptomen wie Blähungen, krampfartigen Schmerzen und häufigem Stuhldrang entgegenwirken sollen.

Viele Blähungen = Gefahr für die Gesundheit?

Sofern die Blähungen selbst Symptom einer (behandelten) Erkrankung sind, besteht diesbezüglich sicher kein Anlass zur Sorge. Auch, solange die Blähungen abgehen, ist dies nicht der Fall. Gefährlich wird es, wenn ein Darmverschluss (Ileus) vorliegt, der zu einem überblähten Bauch und Stuhlrückhalt führt, da der Körper sich selbst vergiftet und Organrisse durch den hohen Innendruck entstehen können.