Blähungen – Behandlung und Selbsthilfe

Kurzfristig und im Akutfall können Medikamente, Tees und altbewährte Hausmittel Linderung verschaffen. Langfristig hilft eine Umstellung der Lebensführung, unterstützend können auch homöopathische Mittel sowie Schüssler Salze eingesetzt werden.

  1. Auf einen Blick
  2. Tee & Kräuter
  3. Hausmittel
  4. Homöopathie
  5. Schüssler Salze
  6. Rezeptfreie Medikamente
  7. Behandlung bei Babys & Kleinkindern

Kräuter, Tees und ‚warme Wickel‘

Da Blähungen ein altbekanntes Leiden sind, gibt es mindestens genauso lange Hilfsmittel. Vor allem bestimmte Kräuter, die sich als Mischung auch fertig aufbereitet in pflanzlichen Präparaten finden, helfen gegen die unangenehmen Winde.

Hilfreiche Kräuter aus dem Garten und der Apotheke

Teetasse

Wer Melisse, Kamille, Pfefferminze, Basilikum und Fenchel im Garten hat, verfügt im Grunde genommen über die Basisausstattung hilfreicher Kräuter.

Diese werden in der Regel auch in den sogenannten Karminativa, Tinkturen auf ätherisch-ölhaltiger Wirkstoffbasis, angewandt.

Ein krampflösender Tee oder die Beimengung in Speisen kann Blähungen entgegenwirken.

Neben den beruhigenden Eigenschaften von Melisse und Kamille, die auch auf Nervosität und damit verbundenes Luftschlucken positiv einwirken, entspannen die Kräuter den Bauchraum und sind teilweise zusätzlich antimikrobiell.

Anis
Anis wirkt krampflösend, blähungstreibend und regt die Sekretdrüsen des Magen-Darm-Traktes an.

Basilikum
Basilikum hat entzündungshemmende und entwurmende Eigenschaften und wirkt gegen Völlegefühl.

Fenchel
Fenchel wirkt entspannend auf den Bauchraum, löst Schleim und beruhigt.

Kamille
Kamille hemmt Entzündungen und Bakterienwachstum, beruhigt und löst Krämpfe.

Koriander
Koriander sorgt für eine Entspannung im Bauchraum, ist appetitanregend und verdauungsfördernd. Allergiker reagieren zuweilen stark darauf – hier ist Vorsicht bei der Anwendung geboten.

Kümmel
Kümmel hat eine starke Wirkung als Krampflöser bei Koliken und Meteorismus, zusätzlich unterstützt er die Verdauung besonders schwerer Speisen.

Melisse
Melisse ist ebenso vielfältig wie hilfreich einsetzbar. Sie hat krampflösende beruhigende, zugleich antimikrobielle und pilzhemmende Eigenschaften.

Pfefferminze
Pfefferminzblätter sollten vor allem bei kleinen Kindern nur vorsichtig angewandt werden, da sie starke Öle enthalten. Sie kommen vor allem beim Reizdarmsyndrom zum Einsatz, allerdings wird für eine medizinische Wirkung grundsätzlich eine stark ölhaltige Pflanzenart benötigt, die in der Regel in Apotheken erhältlich ist.

Schalen der Bitterorange
Pomeranzenschalen wirken appetitanregend und als Bitterstoffe positiv auf die Leber und die Gallensaftausschüttung.

Wermut
Wermutkraut entkrampft, entspannt die Leber und die Gallengänge und gleicht die Verdauungsprozesse aus.

Gewürze als Tee

Insbesondere bei Speiseunverträglichkeiten hilft ein Tee aus Kümmel, Koriander, Fenchelsamen und Anis.
Ein bis zwei Teelöffel der im Mörser zerkleinerten Mischung aus allen Früchten wird mit einer Tasse heißem Wasser übergossen und nach zehn Minuten schluckweise getrunken.
Nicht zerquetschte oder nicht gemahlene Samen können ihre Wirkung nicht entfalten. Wer nicht im Besitz eines Mörsers ist, kann die Gewürze auch mit einem Löffel quetschen.
Die Gewürze wirken krampflösend, keimhemmend und dämmen so die Blähungen ein.

Teemischung bei Beschwerden im Oberbauch

Vor allem beim sogenannten „Oberbauch-Meteorismus“, nicht abgehenden Blähungen, die gegen Zwerchfell und Herz drücken, ist neben der oben genannten Mischung auch der Einsatz von Kamillenblüten, Melissen- und Pfefferminzblättern sowie Koriander und Kümmel hilfreich. Eine hieraus bereitete Teemischung erleichtert den Abgang der Winde.
Als Gewürz nach dem Kochen beigegeben, bewirken Kümmel und Kreuzkümmel von vornherein eine weniger starke Blähbelastung.

Hausmittel gegen Blähungen

Neben dem Einsatz von Kräutern und Gewürzen helfen auch Wickel und Massagen bei Blähbeschwerden.

Kreismassage mit Kräuteröl

Massieren Sie im Uhrzeigersinn und schneckenförmig rund um den Bauchnabel herum. Achten Sie darauf, dass Sie die Richtung beibehalten, da sie sonst entgegen der Darmbewegung massieren und den Nahrungsbrei im Verdauungsverlauf zurückdrängen.
Unterstützend können Sie selbst ein Fenchel-Kümmel-Anis-Öl ansetzen, anderenfalls helfen auch qualitativ hochwertige Präparate wie das Vier-Winde-Öl oder Kümmelöl.

Wärme: Wärmflasche, Kirschkernkissen, Auflagen

WärmflascheWenn Sie Wärme als wohltuend empfinden, können Sie entweder eine Wärmflasche, ein Kirschkernkissen oder auch Bauchauflagen (im Alltagsgebrauch als ‚warme Wickel‘ bekannt) einsetzen.

Legen Sie sich hierzu auf den Rücken, legen Sie ein Handtuch auf den Bauch. Anschließend geben Sie einen heißen Wickel, beispielsweise ein Paket mit Waschlappen, das in etwa 80°C warmem Wasser (gegebenenfalls mit Kümmel oder Heublumenzusatz) getränkt wurde, darauf. Diesen Wickel decken Sie nochmals mit einem Handtuch ab und legen sich danach für etwa eine Viertelstunde hin. Entfernen Sie den Wickel, ehe dieser vollständig abgekühlt ist.

Leberwickel

Den oben beschriebenen Vorgang können Sie auch gezielt zur Mittagsruhe für die Leber vornehmen. Er regt die Gallensekretproduktion an und fördert hierdurch die Fettverdauung.

Lindenholzkohle

Ein altes Hausmittel, das zuweilen in Vergessenheit gerät, ist die Lindenholzkohle. Als medizinisches Präparat erhältlich kann sie als medizinische Kohle rezeptfrei gekauft werden. Medizinische Kohle bindet Bakterien, fördert die Entgiftung und wirkt so physikalisch Durchfällen und Blähungen entgegen.
Bei Kindern kann sie als ungefährliches Mittel zur Unterstützung bei Entgiftungen eingesetzt werden.

Homöopathie bei Blähungen

Auch die Homöopathie kann bei Blähungen hilfreich sein – welche Präparate eingesetzt werden, richtet sich nach dem symptomatischen Gesamtbild.
Aus diesem Grund finden Sie die Begleitsymptome, welche mit Blähungen einhergehen können, hier gelistet.
In den genannten niedrigen Potenzen können Sie die homöopathischen Mittel gut selbst anwenden – beachten Sie jedoch, dass eine fundierte Anamnese durch einen erfahrenen Homöopathen nicht ersetzt werden kann.

Kamillenpflanze

Chamomilla (Kamille)

Häufig wird, vor allem bei vorwiegend abendlichen Blähungen nach Erregung im Kindesalter, auf Chamomilla in der Potenz D6 verwiesen. Diese gilt als “Allrounder” bei Blähungen.

Argentum nitricum (Silbernitrat)

Drückende Magenschmerzen, die mit Blähungen, Aufstoßen, Gähnzwang und anderen nervösen Symptomen einhergehen, werden in der Regel gut mit Argentum nitricum in der D4/ D6 Potenz behandelt.

Nux vomica (Brechnuss)

Blähungen die mit Brechreiz, Magendruck, Völlegefühl und Reizbarkeit verbunden auftreten, können mit Nux vomica in der D4, D6 oder d12 Potenz behandelt werden

Lycopodium (Bärlapp)

Blähungen, die mit saurem Aufstoßen (Reflux), Sodbrennen und Erbrechen einhergehen, können mit Lycopodium D3, D4 oder D6 behandelt werden.

Alle homöopathischen Mittel, ob als Tropfen, Globuli oder Tabletten, werden zunächst symptombezogen verwendet.

Geben Sie, solange die Symptome bestehen, etwa halbstündlich bis stündlich eine Gabe. Verändern sich die Symptome, muss das Mittel angepasst oder ausgesetzt werden.
Suchen sie bei starker, anhaltender oder sich erweiternder Symptomatik einen Arzt auf!

Schüssler Salze gegen Flatulenz

Die „Heiße 7“ hilft

Bei der „Heißen Sieben“ wird Schüssler Salz Nr. 7, Magnesium, in heißem Wasser gelöst und langsam, schluckweise getrunken. Es führt in der Regel zu Entspannung und dem Abgang der Winde. Als Kur angewandt hilft die „Heiße Sieben“ grundsätzlich zu mehr Ruhe und Gelassenheit.

Apothekenpflichtige Medikamente bei Blähungen und deren Wirkung

Eine Alternative zu aufgebrühtem Tee sind Karminativa. Hierbei handelt es sich um blähungsreduzierende Kräuterpräparate aus der Apotheke.

Hierzu gehören:

  • Abdomilon N auf der Basis der Kalmuswurzel
  • Iberogast Tropfen, unter anderem mit Kümmel, Mariendistel, Angelikawurzel
  • Carminativum-Hetterich, unter anderem mit Pomeranzenschalen, Kamille, Fenchel
  • Enteroplant
  • Hepar-SL flüssig und Hepar forte auf der Basis von Artischockenblättern
  • Sidroga Tees als fertige Mischungen
  • Gastrovegetalin

Enzymatisch ausgerichtete Medikamente eignen sich bei Blähungen, die ihre Ursache in einer grundsätzlich schwächeren Verdauung haben. Hier funktionieren die Spaltungsprozesse der Nahrungsbestandteile nur reduziert. In diesem Fällen kann die Einnahme entsprechender Enzyme in Medikamentenform helfen:

  • Pangrol auf der Grundlage von Pankreatin
  • Meteozym
  • Lactase

Zu den Entschäumern, welche die Gasbildung, beziehungsweise Anstauung verhindern, gehören:

  • Sab Simplex
  • Espumisan
  • Lefax
  • Paractol
  • Imogas forte

Auch sogenannte Pro-Prebiotika können eingesetzt werden:

  • Omniflora N zur Besiedlung einer gesunden Darmflora
  • Mutaflor auf der Basis von Escherichia coli

Bei Spasmolytika, sogenannte Entkrampfer helfen gegen Blähungen. Butylscopolamin ist dabei der bekannteste eingesetzte Wirkstoff.

Behandlung von Blähungen bei Babys und Kindern

Vor allem, wenn Kinder betroffen sind, sollte die Wahl des Mittels besonders gut überdacht werden.
Neben den oben angeführten Hausmitteln und homöopathischen Mitteln können Sie Kümmelzäpfchen, Vier-Winde-Öl und Bäuchleinsalbe anwenden, um vor allem Babys beim Abgang der Winde zu unterstützen.

Außerdem helfen Kümmeltee und Fencheltee bei Flaschenkindern, stillende Mütter können den entsprechenden Tee stark aufgebrüht eine halbe Stunde vor der nächsten Stillmahlzeit selbst trinken, um ihr Baby zu unterstützen. Die Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über und erreichen so das Kind.
Wenn die Blähungen bei Babys (ab einem Jahr) und Kleinkindern mit Verstopfung einhergehen, können Sie auch einen Teelöffel Fenchelhonig geben. Außerdem hilft Säuglingen eine sanfte Bauchmassage mit Majoransalbe oder Kümmelöl.

Ausführliche Informationen und begleitende Maßnahmen dazu unter Häufige Fragen – Babys bei Blähungen helfen.

Halten die Beschwerden an, sollten Sie einen Arzt aufzusuchen